1. Die Fettverbrennung beginnt erst nach 40-50 min.
Die Fettverbrennung ist auch in Ruhe schon aktiv. Bei Trainingsbeginn und moderater Belastung im GA1-Bereich, steigt der Anteil von freien Fettsäuren im Blut kontinuierlich an. Dieser Anstieg ist abhängig von der Belastungsintensität und dem Glykogen, welches zur Verfügung steht. Der Anteil der Fettverbrennung steigt dann mit zunehmender Trainingsdauer. Sind die Glykogen-Reserven aufgebraucht (nach ca. 90 min, abhängig von der Trainingsintensität) wird verstärkt Fett zur Energiegewinnung herangezogen, was einen erhöhten Sauerstoffbedarf zur Folge hat. Sie müssen langsamer laufen, da der eingeatmete Sauerstoff sonst nicht mehr ausreicht, die bereitgestellte Energie zu verbrennen, Sie übersäuern. Glukose- und Fettsäurenabbau beeinflussen sich gegenseitig. Das eigentliche Fettstoffwechsel-Training beginnt dann, wenn die Glykogenspeicher stark erniedrigt sind. In der Regel ist das nach 90 bis 120 Minuten der Fall. Sind die Belastungen zu intensiv, bewirken sie eine Übersäuerung.
 

2. Die maximale Herzfrequenz liegt bei 220 - Lebensalter
Siehe oben, unter maximaler Herzfrequenz.
 

3. Die optimale Herzfrequenz liegt bei 180 - Lebensalter

Ausdauertraining erfolgt in verschiedenen Belastungs- und Herzfrequenzbereichen  (GA 1, GA2, Tempotraining, Intervalltraining, usw.) und nicht bei einem festgelegten Herzfrequenzwert. Praktische Erfahrungen zeigen, dass z. B. bei einem 20-Jährigen ein Ausdauertraining mit einer Herzfrequenz von 160 Schlägen/min im aeroben, im aeroben-anaeroben Übergangsbereich oder sogar deutlich über der anaeroben Schwelle liegen kann. Es gibt heute exakte diagnostische und sportmedizinische Möglichkeiten, die optimalen Trainingsbereiche zu bestimmen.

4. Muskelkater kommt von Milchsäureeinlagerung

Muskelkater resultiert aus kleinsten Verletzungen der Muskelfasern auf molekularer Ebene. Diese mechanische Überbeanspruchung ist harmlos und zeitlich begrenzt. Die weit verbreitete Meinung, Muskelkater entsteht durch Milchsäureeinlagerung ist falsch. Das Salz der Milchsäure (Laktat), welches sich bei intensiver Belastung im Blut anreichert, wird nach Belastungsende bzw. Belastungsreduzierung in kurzer Zeit wieder abgebaut. Der Anteil des im Blut enthaltenen Laktates (gemessen in mmol/l = Millimol pro Liter) wird in der Leistungsdiagnostik herangezogen um die optimalen Trainingsbereiche zu ermitteln.

Muskelkater ist auch kein Zeichen für effektives Training, sondern für muskuläre Überbeanspruchung. Im normalen Trainingsalltag - speziell im Einsteigerbereich - sollte kein Muskelkater entstehen. Das sich bei intensivem Wettkampftraining Muskelkater nicht ganz vermeiden lässt ist klar, sollte aber die Ausnahme bleiben.

5. Im Training schneller laufen, heiß auch im Wettkampf schneller laufen.

Gerade Laufanfänger sind im Training meist zu schnell unterwegs. In den ersten Trainingsjahren sollte man min. 80% des Trainings im GA1_bereich zubringen. Die restlichen 20% im GA2-Bereich. Trainingsformen jenseits von 85%-90% der HF-Max sollten erst nach min. 2 Jahren Trainings- und Wettkampferfahrung angewendet werden. In dieser Zone werden max. 10% der Trainingszeit zugebracht, da sich die Erholungszeit stark verlängert.

6. Superkompensation ist linear Anwendbar.

Sie haben bestimmt schon einmal den Ausdruck Superkompensation gehört.

Nach einer Belastung sinkt aufgrund der Erschöpfung zunächst die Leistungsfähigkeit. In der Erholungsphase werden die körperlichen Ausgangsvoraussetzungen wieder hergestellt – die Kompensation. Um weitere Belastungen besser verarbeiten zu können, steigert unser Körper das Leistungsvermögen der belasteten Systeme, dies ist die "Superkompensation".

Das Modell der Superkompensation lässt keine Altersdifferenzierung, keine geschlechtsspezifischen Unterschiede, keinen Unterschied zwischen Trainierten und Untrainierten zu. Anpassungsprozesse können nicht endlos fortgesetzt werden, das Modell stößt an die Grenzen der realen Belastbarkeit und Zeitbezogenheit des Trainings. Die komplizierten Anpassungen im Nerven- und muskulären System werden nicht berücksichtigt. Was bleibt vom Superkompensationsmodell übrig? Die Feststellung, dass es zur Beschreibung des Verbrauchs und der Wiederauffüllung der Glykogenspeicher bzw. der energiereichen Phosphate genutzt werden kann. Das Prinzip der Superkompensation ist zu einfach, um komplexe Anpassungserscheinungen erklären zu können. Würde man linear das Superkompensationmodell anwenden, würde es in der Praxis zu Trainingsfehlern führen. Es führt kein Weg daran vorbei – eine gezielte, langfristige Leistungsentwicklung basierend auf einer  Trainingsmethode, welche den Zusammenhang von Belastung, Beanspruchung, Regeneration und Adaptation berücksichtigt, durchzuführen.

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