Liebe Leser,

ich sitze an der Ziellinie und könnte heulen. Nach Monaten der Vorbereitung und endlosen Stunden im Training wurde der abschließende Lauf zum echten Alptraum. Leichte Schmerzen am Fersenansatz kündigen Unheil an. Einige Kilometer später beginne ich zu gehen, da die Schmerzen zu groß werden. Schließlich setze ich mich an den Straßenrand, ziehe meine Laufschuhe aus und massiere mir den Fersenansatz der höllisch schmerzt.

Ich quäle mich gehend und trabend ein paar Kilometer weiter bis zur nächsten Verpflegungsstelle. Mit zwei Schwämmen kühle ich meine Achillessehne. Die Sonne steht senkrecht am Himmel und brennt auf meiner Haut.

Ich will unbedingt das Ziel erreichen. Gedanken an eine bestimmte Zielzeit sind einzig dem Willen anzukommen gewichen. All die Stunden, die man sich mühsam abgezweigt hat von Familie, Job und anderen Pflichten dürfen nicht damit enden aufzugeben.

Ich sehen mich um und merke, ich leide nicht alleine. Viele Agegrouper sind am Ende ihrer Kräfte, aber man sieht in ihren Augen den unbedingten Willen dieses Ziel zu erreichen. Es ist auch eine Frage der Ehre, was nur ein Athlet verstehen kann, dessen Anstrengungen und Entbehrungen nicht umsonst gewesen sein dürfen. Es bedeutet auch Respekt vor der Familie, die während der vielen Monate der Vorbereitung hinter einem stand und auf so manches verzichten musste. Respekt vor den anderen Teilnehmern, die vielleicht noch schlechtere Voraussetzungen hatten, körperlich behindert sind oder mit sehr eingeschränkten finanziellen Mitteln unseren Sport betreiben. Ich sah einige Teilnehmer die Schwimmstrecke ohne Neo zurücklegen. Und und und...

DNF ist keine Option

Schließlich kam ich unter Schmerzen, kurz vor Zielschluß ins Ziel. Erst war ich am Boden zerstört. Alles umsonst, das Training der letzten 10 Monate für die Katz.

Später war ich stolz angekommen zu sein und nicht aufgegeben zu haben. Ich habe mich durchgebissen und allen die mich unterstützt haben Respekt gezollt.

Vielleicht sollte sich der ein oder andere Profi einmal Gedanken darüber machen, was die Agegrouper leisten, die neben dem Training Beruf und Familie unter einen Hut bringen müssen. Die nach einem 12 Stunden Tag im Job, die Laufschuhe schnüren und noch 15 km bei Dunkelheit und Kälte abspulen. Auch Profis sollten einen Wettkampf beenden der nicht mit der angestrebten Zeit oder der gewünschten Platzierung gekrönt wird und nicht die Flinte ins Korn werfen wenn es nicht läuft wie geplant. Auch mal im Zielbereich bleiben bis die Altersklassenathleten ins Ziel kommen, die sich freuen wenn ein bekannter Profi Respekt bekundet und auch mal die Hand eines Teilnehmers schüttelt der nach mehr als 15 Stunden im Dunkeln die Ziellinie passiert.

Der Familiengedanke ist es, was den Triathlon ausmacht. Ich hoffe unser Sport nimmt nicht jene Züge an, die z.B. im Radsport gang und gäbe sind und wir bleiben eine eingeschworene Gemeinschaft die sich gegenseitig unterstützt, Freude am Sport hat, Respekt vor allen Athleten zeigt und nicht auf Teufel komm raus nur um Platzierungen und Zeiten kämpft. 

Ich habe vor jedem Agegrouper - egal welche Zeit er schafft - absoluten Respekt. Jeder der sich der Herausforderung Ironman stellt und ihn - egal wie - ins Ziel bringt ist ein Held und gehört zu einer Elite von wenigen die unglaubliches geleistet haben und wissen was das bedeutet.

Ich verneige mich....

Harald

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