Wieder musste ich eine Trainingseinheit ausfallen lassen. Krankes Kind, schulische Probleme der Kinder, Stress im Job, Stau auf der Autobahn, Elternabend, Fortbildung, usw., usw., usw….

Die Gedanken fliegen. Macht es wirklich Sinn mit Familie, Kindern und stressigem Job auf einen Ironman zu trainieren. Die wievielte Trainingseinheit ist denn jetzt schon ausgefallen? Der Trainingskalender bringt die ganze Wahrheit an den Tag. Im Schnitt sind es nicht die angestrebten Minimalstunden sondern wesentlich weniger.

Die Form will als Konsequenz der fehlenden Kilometer nicht ansteigen. Frust macht sich breit. Aber strengt man sich auch noch so an, die verbleibende Zeit ist einfach zu knapp. Soll man den Familienfrieden riskieren, nur um die anstehende Trainingseinheit noch in die verbleibenden Tagesstunden zu quetschen? Gibt es denn nichts Wichtigeres als Triathlon auf der Welt? Soll man es einfach sein lassen? Die teure, mühsam vom Mund abgesparte Ausrüstung, auf die man so stolz ist einfach verkaufen und zum gelegentlichen Gesundheitsjogger werden?

Wenn Sie diese Zeilen lesen und diese Gedanken wiedererkennen, kann ich Ihnen sagen, es ist völlig normal. Alle Hobbysportler gelangen irgendwann an den Punkt, wo man mit diesen Zweifeln kämpft. Das ist auch berechtigt. Manche Lebensumstände zwingen uns kürzer zu treten.

Dann versuche ich mich zu erinnern, warum ich diesen Sport betreibe. Was gibt mir der Triathlon zurück. Und dann Träume ich vom Wettkampf. Das durch nichts zu beschreibende Gefühl des Zieleinlaufes, die jubelnden Zuschauer, die Genugtuung es geschafft zu haben. Die Freunde die mit einem leiden. Die Trainingseinheiten bis zur Erschöpfung. Die Gemeinschaft der Triathleten. Die Wettkampf-Atmosphäre mit der Spannung vor dem Start.

Diese Liste könnte ich endlos weiterführen. Also was nun?

Man muss Kompromisse machen. Nicht jede verzweifelt durchgezogene Trainingseinheit macht wirklich Sinn, gerade wenn man müde und fertig ist vom Tag. Ich versuche in solchen Zeiten 3 Schlüsseleinheiten in der Woche einzuhalten:

1. Ein langer Lauf

2. Eine lange Radeinheit(wenn’s zeitlich nicht geht, eine kurze intensive Einheit)

3. Entweder zwei kurze oder eine lange Schwimmeinheit    

Das schafft man auch mit widrigen Umständen. Dass das nicht genug ist um eine Langdistanz vernünftig zu finishen ist klar, aber als Minimalprogramm in der ein oder anderen Woche machbar. Mir sind manchmal ganz Wochen komplett ausgefallen, andere waren eben beschriebene Minimalwochen und ich habe meine Langdistanz mit knapp über 11 Std. ins Ziel gebracht. Wichtig sind – und damit zitiere ich Luc van Lierde, dessen Marathonbestzeit im Ironman von 2:36 Std. immer noch Bestand hat – du kannst in der Ironman Vorbereitung viel versäumen, aber die letzten drei Monate musst du da sein.

Fazit: Jeder muss für sich entscheiden welche Entbehrungen, Kompromisse und Widrigkeiten er in Kauf nehmen will um diesen Sport betreiben zu können.

Für mich habe ich diese Entscheidung längst getroffen … 24

 

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