Heute wollte ich die Trainingseinheit ausfallen lassen. Ich war um 5:45 Uhr aufgestanden, hatte einen sehr anstrengenden Tag im Job und am Vortag auch noch eine Anreise von 450 Kilometern. Kurz, ich war einfach müde und geschafft. Draußen fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und es wehte ein schneidender Wind. Genug Gründe um sich nach einer heißen Dusche, einem schönen Abendessen und einem Bier auf die Couch zu legen und den Tag mit einem guten Buch oder dem Fernseher ausklingen zu lassen, wäre da nicht der Trainingsplan.

Also, nicht denken, Laufklamotten anziehen und raus in die Kälte. Und ihr könnt mir glauben es kostete mich wirklich Überwindung. Ich lief also los und merkte schon nach wenigen Metern, heute habe ich gute Beine. Ich zog das Tempo nach einem Kilometer an. Ohne Anstrengung zogen die nächsten 3 Kilometer vorbei. Ich verschärfte das Tempo nochmal, Puls immer noch in GA1.

Und dann war er plötzlich da – der Flow. Ausdauersportler kennen das Gefühl, wenn es einfach rollt. Unbeschwert zu laufen – ja, zu gleiten. Mühelos ohne sichtliche Anstrengung einen Fuß vor den anderen zu setzen. Glücksgefühle machen sich breit und man wird eins mit der Natur.

Mittlerweile war es stockdunkel, eiskalt und am Himmel standen tausend Sterne. Selten einen schöneren Lauf erlebt. Hat man sicher erlebt, aber jeder Lauf im Flow ist ein einzigartiges Erlebnis und macht den Ausdauersport so besonders. Man kann den Flow auch nicht bewusst herbeiführen, und wenn man sich auch noch so anstrengt findet man keinen Weg der Wiederholung. Der Flow kommt, wenn er Lust hat und bleibt weg wenn er nicht will. Nach 11 Kilometern war ich am Ausgangspunkt angekommen und hochzufrieden.

So wird eine Trainingseinheit, die beinahe ausgefallen wäre zu einem unbeschreiblichen Erlebnis. Was lernen wir daraus? Geh‘ einfach laufen und denk‘ nicht darüber nach, es könnte der schönste Lauf deines Lebens werden.

keep the fire burning….

Harald

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