Punkt 10:00 Uhr am 28.07.2014, eine Woche nach der Challenge Roth 2014, öffneten die Server für die Anmeldung 2015. Um einen Startplatz zu ergattern muss man wirklich schnell sein. Den Aktualisierungs-Button habe ich schon 2 Minuten vorher im Sekundenintervall gedrückt, man weiß ja nie. Schlauerweise habe ich mir schon einige Tage vorher ein Programm aus dem Internet heruntergeladen, das Formularfelder automatisch ausfüllt. Könnten zwar die gängigen Internetbrowser auch, doch musste ich schon des Öfteren feststellen, dass diese Funktion beim IE manchmal nicht funktioniert und ich wollte um jeden Preis einen Startplatz bekommen. So saß ich da, mit tränenden Augen und starrte auf den Bildschirm. 

Endlich und tatsächlich auf die Sekunde genau um 10:00 Uhr erschien der Vorregistrierungslink. Einzugeben waren der Name, der Vorname, das Geburtsdatum und zweimal die E-Mail Adresse. Mit einem einzigen Klick auf die Autofüll-Funktion war das Formular ausgefüllt und in weniger als 10 Sekunden abgeschickt. Yes...

Schon der nächste Klick auf aktualisieren brachte die Nachricht, "Alle Startplätze der Datev Challenge Roth 2015 sind vergeben". In der Tat waren alle Startplätze in 50 Sekunden vergeben puhh..

Jetzt begann das bange Warten. Nach einigen Minuten dann die Erlösung. Die E-Mail Bestätigung trudelte ein und mein Startplatz war vorregistriert. Am Nachmittag bakam ich dann auch den Link zum endgültigen Ausfüllen der Anmeldung und eine zweite E-Mail mit der Bestätigung des Startplatzes. Nun muss ich noch die Kohle überweisen dann ist alles klar.

Manche werden sich jetzt vielleicht denken, wie kann man sich nur so darüber freuen, einen Haufen Geld dafür zu bezahlen, dass man sich im nächsten Sommer auf 226 Kilometern bis an die Grenze der Belastbarkeit schindet und ein ganzes Jahr in Askese verbringt, mit Training und Planung. Hunderte Stunden durch den Wald rennt, auf dem Rad sitzt und im Schwimmbad Kacheln zählt. Tja, das versteht man nur, wenn man mal dabei war, also los...

Die Saison habe ich schon im September mit mehr oder weniger sporadischem Lauftraining eröffnet.

Nachdem ich am Wochenende den Livestream vom Ironman Hawaii angeschaut habe, bin ich auch richtig motiviert. Leider steht in unseren Breitengraden jetzt der Winter vor der Tür. Training im Freien wird dann wieder etwas schwieriger. Der Einstieg ins Training ist nicht ganz leicht, da ich seit fast einem Jahr keinen Sport mehr gemacht habe. Die ersten Einheiten waren und sind noch richtig hart. Für die Trainingsplanung musste ich auch gleich ein paar heftige Tests machen:

- Lauftest, je ein Kilomter beginnend mit 130 Puls dann 140/150/160/170 und Ausbelastung

- Radtest 10 Kilometer Zeitfahren

- Schwimmtest 400 Meter auf Zeit

Ich werde, wie immer die Daten in GARMIN Connect zur Verfügung stellen. Für die Planung habe ich mich entschlossen nicht mehr die Pläne der Triathlon-Szene zu verwenden, sondern auch hier gehe ich neue Wege und werden mich an den Plänen der Tri-Mag orintieren, da die Erfolge der Athleten seinesgleichen suchen. Des Weiteren wird unsere Trainingsgruppe immer homogener. Matthias nimmt ebenfalls an der Challenge Roth teil, somit habe ich in Flo und Matthias auch die passenden Trainingspartner.

Wieder musste ich eine Trainingseinheit ausfallen lassen. Krankes Kind, schulische Probleme der Kinder, Stress im Job, Stau auf der Autobahn, Elternabend, Fortbildung, usw., usw., usw….

Die Gedanken fliegen. Macht es wirklich Sinn mit Familie, Kindern und stressigem Job auf einen Ironman zu trainieren. Die wievielte Trainingseinheit ist denn jetzt schon ausgefallen? Der Trainingskalender bringt die ganze Wahrheit an den Tag. Im Schnitt sind es nicht die angestrebten Minimalstunden sondern wesentlich weniger.

Die Form will als Konsequenz der fehlenden Kilometer nicht ansteigen. Frust macht sich breit. Aber strengt man sich auch noch so an, die verbleibende Zeit ist einfach zu knapp. Soll man den Familienfrieden riskieren, nur um die anstehende Trainingseinheit noch in die verbleibenden Tagesstunden zu quetschen? Gibt es denn nichts Wichtigeres als Triathlon auf der Welt? Soll man es einfach sein lassen? Die teure, mühsam vom Mund abgesparte Ausrüstung, auf die man so stolz ist einfach verkaufen und zum gelegentlichen Gesundheitsjogger werden?

Wenn Sie diese Zeilen lesen und diese Gedanken wiedererkennen, kann ich Ihnen sagen, es ist völlig normal. Alle Hobbysportler gelangen irgendwann an den Punkt, wo man mit diesen Zweifeln kämpft. Das ist auch berechtigt. Manche Lebensumstände zwingen uns kürzer zu treten.

Dann versuche ich mich zu erinnern, warum ich diesen Sport betreibe. Was gibt mir der Triathlon zurück. Und dann Träume ich vom Wettkampf. Das durch nichts zu beschreibende Gefühl des Zieleinlaufes, die jubelnden Zuschauer, die Genugtuung es geschafft zu haben. Die Freunde die mit einem leiden. Die Trainingseinheiten bis zur Erschöpfung. Die Gemeinschaft der Triathleten. Die Wettkampf-Atmosphäre mit der Spannung vor dem Start.

Diese Liste könnte ich endlos weiterführen. Also was nun?

Man muss Kompromisse machen. Nicht jede verzweifelt durchgezogene Trainingseinheit macht wirklich Sinn, gerade wenn man müde und fertig ist vom Tag. Ich versuche in solchen Zeiten 3 Schlüsseleinheiten in der Woche einzuhalten:

1. Ein langer Lauf

2. Eine lange Radeinheit(wenn’s zeitlich nicht geht, eine kurze intensive Einheit)

3. Entweder zwei kurze oder eine lange Schwimmeinheit    

Das schafft man auch mit widrigen Umständen. Dass das nicht genug ist um eine Langdistanz vernünftig zu finishen ist klar, aber als Minimalprogramm in der ein oder anderen Woche machbar. Mir sind manchmal ganz Wochen komplett ausgefallen, andere waren eben beschriebene Minimalwochen und ich habe meine Langdistanz mit knapp über 11 Std. ins Ziel gebracht. Wichtig sind – und damit zitiere ich Luc van Lierde, dessen Marathonbestzeit im Ironman von 2:36 Std. immer noch Bestand hat – du kannst in der Ironman Vorbereitung viel versäumen, aber die letzten drei Monate musst du da sein.

Fazit: Jeder muss für sich entscheiden welche Entbehrungen, Kompromisse und Widrigkeiten er in Kauf nehmen will um diesen Sport betreiben zu können.

Für mich habe ich diese Entscheidung längst getroffen … 24

 

Heute wollte ich die Trainingseinheit ausfallen lassen. Ich war um 5:45 Uhr aufgestanden, hatte einen sehr anstrengenden Tag im Job und am Vortag auch noch eine Anreise von 450 Kilometern. Kurz, ich war einfach müde und geschafft. Draußen fielen die Temperaturen unter den Gefrierpunkt und es wehte ein schneidender Wind. Genug Gründe um sich nach einer heißen Dusche, einem schönen Abendessen und einem Bier auf die Couch zu legen und den Tag mit einem guten Buch oder dem Fernseher ausklingen zu lassen, wäre da nicht der Trainingsplan.

Also, nicht denken, Laufklamotten anziehen und raus in die Kälte. Und ihr könnt mir glauben es kostete mich wirklich Überwindung. Ich lief also los und merkte schon nach wenigen Metern, heute habe ich gute Beine. Ich zog das Tempo nach einem Kilometer an. Ohne Anstrengung zogen die nächsten 3 Kilometer vorbei. Ich verschärfte das Tempo nochmal, Puls immer noch in GA1.

Und dann war er plötzlich da – der Flow. Ausdauersportler kennen das Gefühl, wenn es einfach rollt. Unbeschwert zu laufen – ja, zu gleiten. Mühelos ohne sichtliche Anstrengung einen Fuß vor den anderen zu setzen. Glücksgefühle machen sich breit und man wird eins mit der Natur.

Mittlerweile war es stockdunkel, eiskalt und am Himmel standen tausend Sterne. Selten einen schöneren Lauf erlebt. Hat man sicher erlebt, aber jeder Lauf im Flow ist ein einzigartiges Erlebnis und macht den Ausdauersport so besonders. Man kann den Flow auch nicht bewusst herbeiführen, und wenn man sich auch noch so anstrengt findet man keinen Weg der Wiederholung. Der Flow kommt, wenn er Lust hat und bleibt weg wenn er nicht will. Nach 11 Kilometern war ich am Ausgangspunkt angekommen und hochzufrieden.

So wird eine Trainingseinheit, die beinahe ausgefallen wäre zu einem unbeschreiblichen Erlebnis. Was lernen wir daraus? Geh‘ einfach laufen und denk‘ nicht darüber nach, es könnte der schönste Lauf deines Lebens werden.

keep the fire burning….

Harald

Ausnahmsweise nimmt die lokale Presse auch mal Notiz vom Triathlon, schöner Artikel in der "Passauer neuen Presse":

Triathleten Passau

 

 

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