Die Triathlon Story

Kapitel 2

Der erste Triathlon

 

Die Vorbereitung auf meinen ersten Triathlon war alles andere als planmäßig. Bunt gemischt fuhr ich Rad, lief und quälte mich durchs Wasser. Von Koppeltraining und triathlonspezifischen Trainingseinheiten hatte ich keine Ahnung. Na ja, die Welt gehört dem Mutigen. Nach 3 Monaten mehr oder weniger strukturiertem Training stand ich also in meinem nagelneuen Neoprenanzug - braucht man natürlich als richtiger Triathlet - an der Startlinie zum Triathlon in Kühbach bei Augsburg.

Ich war so nervös, dass mir die Knie schlotterten. 700 Meter schwimmen, wie soll ich das überstehen? Wie komme ich nach dem Schwimmen aus dem Neoprenanzug? Wo ist überhaupt mein Rad? Und so weiter, und so weiter. Im See hatten die Kühbacher, zur besseren Orientierung eine Leine gespannt und am Wendepunkt schwamm eine Boje. Am Start warteten ca. 400 Triathleten darauf sich ins Wasser zu stürzen. Alle standen am Ufer und warteten gespannt auf den Startschuss. Als er dann ertönte, war ich nicht wirklich bereit. Ich hatte die Schwimmbrille immer noch auf der Stirn. Ich rannte los und im Wasser merkte ich, dass ich die Brille nicht auf hatte. Ich holte es schnell nach und rannte weiter ins Tiefe um mich dann mit einem Hecht ins Wasser zu stürzen.

Ich hatte mir überlegt direkt an der Leine entlang zu schwimmen da das wohl die kürzeste Strecke sein würde. Bevor ich die Leine überhaupt erreichen konnte geriet ich ins totale Getümmel. Das Wasser kochte. 400 Schwimmer versuchten sich die besten Plätze zu erkämpfen, da bekommt man Hiebe mit Händen, Füßen und anderen Körperteilen. Als ich dann doch bis zur Leine vorgedrungen war, wurde ich völlig eingekeilt. Vor mir, neben mir, hinter mir, überall war der Weg versperrt. Vor mir schwamm zu meinem Erstaunen ein Teilnehmer der noch wesentlich langsamer schwamm als ich. Überholen war aber nicht möglich. So ging das eine Weile, bis mir der Kragen platzte. Ich schwamm im rechten Winkel weg von der Leine ins freie Wasser, was mir einige Flüche und Schläge einbrachte, aber endlich konnte ich schwimmen. Ich versuchte ein paar Meter Kraul zu schwimmen, dann wieder Brust und so weiter. Es kam mir endlos vor, bis ich an der Wendeboje angekommen war. Mein Puls raste und ich hatte schon jede Menge Wasser geschluckt. Der Teich in Kühbach, muss man wissen, hat die Wasserqualität einer Kartoffelsuppe. In 10 Zentimeter Wassertiefe sieht man seine Hand nicht mehr. Dementsprechend übel war mir schon. Nach 22 Minuten stieg ich aus dem Wasser. Hochgerechnet auf den IRONMAN wären das fast 2 Stunden, wie übel.

War ich froh aus dem Wasser zu sein, denn jetzt kam die Radstrecke und ich hatte auf dem Rad gut trainiert. Vorher musste ich allerdings noch mit dem Neoprenanzug kämpfen. Ich kam einfach nicht aus der Gummihaut. Bis ich bei meinem Rad ankam hatte ich wenigstens schon einen Arm aus der Pelle gezogen. Im Kampf mit dem zweiten Arm rutschte ich aus und knallte rücklings auf den Boden. Im Wettkampffieber spürt man keinen Schmerz. Ich rappelte mich wieder hoch und rannte weiter zu meinem Rad. Verpasste natürlich den richtigen Gang und drehte drei Runden durch die Reihen der Räder bis ich meines fand. Ich hockte mich auf den Boden und zerrte den Rest des Neos von meinen Füßen. Schuhe an Helm auf und ab ging es auf die Radstrecke. 33 Kilometer welliges Gelände. Ich trat an wie Jan Ulrich in seinen besten Tagen. Nach drei Kilometern brannten meine Oberschenkel so stark, dass ich kaum noch treten konnte. Ich muss langsamer machen sonst kollabiere ich, dachte ich so bei mir, als sich meine Radflasche, beim ersten Schlagloch, mit dem Isogetränk Richtung Straßengraben verabschiedete. Jetzt hatte ich auch nichts mehr zu trinken. Ich gab alles und als ich schließlich zum zweiten Wechsel kam stürzte ich fast, weil ich viel zu schnell in die Wechselzone fuhr. Ging gerade noch gut. Ich stellte mein Rad ab, wechselte die Schuhe und rannte los. In meiner Kehle brannte der Durst.

Da ich nie Koppeltraining gemacht hatte bekam ich jetzt die Quittung. Meine Bauchmuskeln waren von der Aerohaltung auf dem Rad so verkrampft, dass ich nur gebückt laufen konnte und ziemliche Schmerzen hatte. Nach einigen Kilometern wurde es besser und ich konnte mich einigermaßen aufrichten. Endlich kam ein Verpflegungsstand, an dem ich drei Becher Wasser kippte und mich prompt übergeben musste. Ich lief weiter und bekam einen Krampf im Oberschenkel. Indianer kennt keinen Schmerz, so lief ich weiter und humpelte deutlich. Am Ende der Laufstrecke war ich so platt, wie nach einem harten Marathon. Ich setzte mich ins Gras neben mein Rad und fragte mich ernsthaft ob Triathlon für mich der richtige Sport ist. Alles in allem war es eine sehr lehrreiche Erfahrung. Wenn ich wirklich weiter machen wollte, müsste ich Vieles anders machen. Aber Erfahrungen, ob positiv oder negativ sollen ja lehrreich sein. Und lehrreich war es allemal. Ja, wie ihr euch wahrscheinlich schon denken könnt, wurde es auch besser. Wie es weiterging und was ich noch alles erlebt habe in den nächsten Kapiteln.

 

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